Caral und Áspero: Die ersten Siedlungen auf dem amerikanischen Kontinent

Pyramide in Caral

Gesamte Strecke: 86 km

Fahrt nach Caral

Von Pativilca sind es gut 40 km bis Caral. Zunächst fahren wir auf der Panamericana wieder zurück nach Süden und folgen dann der Beschilderung nach Caral. Die Straße wird mit jedem Kilometer schlechter. Obst- und Gemüsefelder säumen unseren Weg entlang des Río Supe. Auch hier endet die Vegetation wieder abrupt dort, wo das Wasser aus dem Fluss nicht mehr hinkommt. Wüstensand und kahle Berge bilden so den trockenen Rahmen in der Landschaft. Die letzten Kilometer bestehen nur noch aus holpriger Schlaglochschotterpiste. Auch das Flussbett müssen wir überqueren.

In Caral

In der UNESCO-Weltkulturerbestätte Caral angekommen ist es fast Mittag. Mein erster Eindruck: Heiß, sandig, unwirtlich und extrem trocken. Zudem bläst ein heißer Wüstenwind.
Das Alter von Caral wird auf ca. 5.000 Jahre (Blütezeit 3.000 bis 1.800 v.Chr.) geschätzt. Sie ist damit die älteste Besiedlung auf dem amerikanischen Kontinent – und eines der Ursprungszentren der menschlichen Zivilisation überhaupt.
Schon erstaunlich: Bereits damals wurde die Stadt in eine Oberstadt für eine reiche Elite und Priester sowie eine Unterstadt für den Rest der Bevölkerung aufgeteilt. Zusammen mit dem zwingend vorgeschriebenen Führer machen wir uns in einer kleinen Gruppe auf den Weg durch die Oberstadt, dem religiösen Kultort von Caral.

La Ciudada Sagrada de Caral

Seit 1994 wird in Caral – auch mit deutscher Unterstützung – gebuddelt.
Während unseres Rundgangs besichtigen wir einige der sechs terrassenförmigen Pyramiden aus Stein und Lehm mit jeweils runden Vorplätzen.
In der Oberstadt selbst fand man keinerlei Spuren von Vegetation. Landwirtschaft wurde entlang des fruchtbaren Río Supe betrieben. Darauf lassen auch die Überreste weiterer dort gefundener Siedlungen schließen.
Sinn und Zweck der Oberstadt von Caral lag ausschließlich im Vollzug von Kulthandlungen. Darauf deuten der Aufbau und die Anordnung der Pyramiden hin. Das normale Leben dagegen fand in der Unterstadt statt.
Wo und wie die ersten Siedler ihre Toten bestatteten, gehört allerdings noch zu einem der ungelüfteten Geheimnisse.

Von Caral in der Wüste nach Áspero am Meer

Auf der Rückfahrt fahren wir an einem brennenden Zuckerrohrfeld vorbei. Da hat wohl jemand die Kontrolle über seinen „Unterholzbrand“ verloren. Weit und breit niemand zu sehen. Für die einheimischen Mototaxis und Autofahrer scheint der Anblick auch normal zu sein. Also fahren wir eben auch einfach weiter.

Brennendes Zuckerrohrfeld
Feuer im Zuckerrohrfeld

Wir biegen auf die alte Panamericana Norte ein und fahren bis zum Hafenstädtchen Supe. Im Ort folgen wir der Beschilderung nach Áspero.

Von der Müllhalde zur Ausgrabungsstätte

Kaum zu glauben: Bis Anfang der 2000-er Jahre diente das gesamte Areal von Áspero der Stadt Supe und den umliegenden Gemeinden als Müllkippe. Nur durch Zufall wurde die archäologische Bedeutung Ásperos überhaupt entdeckt. Bevor dann aber mit den Ausgrabungen begonnen werden konnte, musste man erst einmal tonnenweise Müll wegräumen und anderswo in die Landschaft kippen.

Das gesamte Tal diente jahrzehntelang als Müllkippe
Das gesamte Tal diente jahrzehntelang als Müllkippe

Áspero: La Ciudad Pesquera de la Civilización Caral

Nach einer ausführlichen Einführung in das Leben der Fischer von Áspero, die Caral mit Fischen, Meeresfrüchten, Obst und Gemüse versorgte, beginnt der Rundgang durch die bereits freigelegten terrassenförmigen Pyramiden.
Teilweise ähnelt die Bauweise der von Caral, teilweise fehlen aber die runden Vorplätze. Leider zerstörten Grabräuber auf der Suche nach Gold schon zur Zeit der spanischen Konquistadoren einige der Pyramiden mit Sprengstoff. Aber immerhin fand man in zwei der Pyramiden noch die Mumie einer Frau und die eines Kindes sowie diverse Grabbeigaben. Natürlich war kein wertvolles Edelmetall mehr darunter.

Zurück nach Pativilca

Eigentlich wollten wir uns auch noch die Festungsanlage von Paramonga anschauen. In der Zwischenzeit ist es aber schon später Nachmittag und unser Bedarf an archäologischen Stätten für heute gedeckt. Außerdem sind wir völlig erschlagen von den stundenlangen Rundgängen durch Caral und Áspero. Wir kehren deshalb auf der alten Panamericana Norte nach Pativilca zurück und lassen den Tag auf der Suche nach etwas Essbarem ausklingen.