Geburtstagsausflug zu Gaucho Gil

Gaucho Gil

Heute ist Knuts Geburtstag!

Am späten Vormittag fahren wir mit dem Auto zur Gedenkstätte von Gaucho Gil.
Zuerst finden wir den Stätte vor lauter Souvenirständen gar nicht, aber dann werden wir doch noch in die richtige Richtung bugsiert. Dem Aberglauben wird hier höchst eindrucksvoll gehuldigt und auch Knut zündet drei Kerzen an. Noch ein kleiner Aufkleber und unsere Fahrt wird hoffentlich unter dem Schutz von Gaucho Gil stehen.

Danach suchen wir vergeblich einen etwas größeren Supermarkt in Mercedes. Geschlossen – ob zeitweise oder generell lässt sich nicht feststellen. Dann tanken wir halt nur.

Zurück auf dem Parkplatz verstauen wir die frisch gefüllten Reservekanister neu und versuchen unseren Stauraum weiter zu optimieren. Plötzlich schließen sich die Tore automatisch. Als wir fertig sind, suchen wir vergeblich einen Türöffner. Es gibt nur einen Schalter, der aber mit der Klingel auf der anderen Seite verbunden ist. Manuell lässt sich das Tor nicht öffnen. Was nun? Ich überlege schon, wie wir einen Passanten auf uns aufmerksam machen können, damit er an der Rezeption Bescheid gibt. Dann öffnen sich auch schon die Tore. Vor uns geht ein Mitarbeiter des Hotels, der offensichtlich nachschauen musste, wer da klingelt.

Am späten Abend gibt’s Pizza mit viel zu viel Käse.

Ein seltsamer Geburtstag.

Erlebnisse in Mercedes

Neuer Wirkungskreis?

Ein Friseurbesuch der ganz besonderen Art

Heute geht’s zum Friseur, zumindest für mich. Am Sonntag habe ich bei unserem Stadtrundgang bereits einen Salon in der Nähe des Hotels entdeckt.
Am Dienstag stellt sich dann allerdings heraus, dass es sich lediglich um ein Geschäft handelt, das Artikel für Friseure verkauft. Ein richtiger Salon soll sich gleich um die Ecke befinden. Das haben wir jetzt auch schön öfter gehört und dann war da doch nichts. Wir biegen in die genannte Einkaufspassage um die Ecke. Da ist Totentanz. Alle Geschäfte haben geschlossen. Als wir schon wieder umdrehen wollen, entdeckt Knut einen ziemlich heruntergekommenen Laden, in dem eine ältere Dame vor ihrem Handy sitzt. Da ich unbedingt einen Haarschnitt brauche, treten wir ein. Es ist tatsächlich der besagte Friseur.

Ich bekomme einen muffig riechenden Umhang um und die Haare mit warmem Wasser gewaschen. Im Raum ist es so kühl, dass das warme Wasser dampft. Danach darf ich mich auf einen alten Schreibtischstuhl setzen. Diverse Bürsten mit Haaren meiner Vorgänger liegen in Reih und Glied vor mir. Sie beginnt mit Kamm und Schere zu schneiden, nachdem ich ihr erklärt habe, was ich möchte. Der Kamm riecht nach altem Kopfhauttalg. Nicht nachdenken, woher das stammt!

Es dauert ewig und so schlage ich ihr vor, sie könne auch die Maschine nehmen „como los hombres“, und jetzt geht’s auch flott voran. Als sie aber zum Föhnen eine der voll gehaarten Bürsten nehmen will, kann ich sie gerade noch im letzten Moment davon abhalten. Es geht auch ohne. Gerade mal 300 Pesos (ca. 6 Euro) kostet der Spaß und ich fühle mich 10 kg leichter. Die Sonne scheint auch und es ist zur Abwechslung warm, was will ich mehr.

Wasser für den Mate
Auf dem „Heimweg“ vom Friseur entdeckt: Heißwasserautomat für Mate

Eine neue Geschäftsidee?

Am Abend spielen wir Karten im Hotelrestaurant. Ich probiere Fernet con Coca, das Nationalgetränk Argentiniens, ist aber nicht so mein Fall. Knut entdeckt Gin an der Bar und dann fließen die Gin Tonics nur so durch seine Kehle.

Sichtlich beschwingt machen wir uns auf zum Hotdogstand. Während wir auf unsere Hotdogs warten, schnorrt Knut den Kumpel des Verkäufers an, ob er mal von seinem Mate probieren dürfe. Übersetzt, getan und alle schauen erwartungsvoll auf Knut. Der gibt sich ganz charmant. Alle sind’s zufrieden. Und dann werden gleich noch ein paar Fotos hinter dem Stand gemacht. Wir vier lachen uns schlapp.

Am Hotdogstand
Hotdogs und Mate …

In der Zwischenzeit sind auch die Hotdogs fertig und wir setzen uns im Park auf eine Bank, um sie zu verdrücken.

Von Corcordia nach Mercedes

Kathedrale in der Abendsonne

Gesamte Strecke: ca. 270 km

Aufbruch nach Nordwesten

Nach dem Frühstück brechen wir auf. Nach einer Woche ist heute der erste Tag, an dem es einmal nicht regnet!

Wir halten kurz bei der Parada de Ayui mit seiner alten Dampflok und den letzten Resten an Bahngleisen.

Und nun fahren wir auf der Ruta Nacional 14 immer nach Norden und verlassen bald die Orangenplantagen rund um Corcordia.

Entlang der RN 14
Verkaufsstände entlang der RN 14

Bei der Abzweigung zur Colonia Alemania müssen wir schon mal raus und schauen, was sich dahinter verbirgt. Nichts Weltbewegendes, also kehren wir nach der Besichtigung des ziemlich verwahrlosten Friedhofs wieder auf die RN 14 zurück. In Cuatros Bocas wechseln wir dann auf die RN 119.

Auf der RN 119
Auf der RN 119

Die gesamte Strecke ist asphaltiert und wir kommen gut voran.

Ankunft in der Gauchometropole Mercedes

Nach viereinhalb Stunden Fahrt inklusive Zwischenstopps erreichen wir Mercedes. Wir checken im besten Hotel am Platz in unsere Suite – das war die letzte akzeptable Option – ein.
Leider hat das hoteleigene Restaurant ab 14:00 h geschlossen. Also müssen wir schauen, was die lokale Gastronomie um diese Zeit so hergibt. Nicht wirklich viel. Einzig die Eisdiele auf der anderen Seite des Platzes ist geöffnet. Dann gibt es jetzt eben ein großes Eis – es schmeckt ganz ausgezeichnet.

Die Stadt wirkt wie ausgestorben und außer ein paar netten alten Häusern im Kolonialstil können wir keine besonderen Highlights entdecken. Die Kathedrale ist auch geschlossen.

Zum Abendessen gibt es einen Hotdog auf die Hand, da alle Restaurants in fußläufiger Entfernung nicht vor 21:00 h ihre Pforten öffnen.

In den Termas de Ayui

Heute macht der seit Montag ununterbrochen anhaltende Regen am Nachmittag eine kurze Pause. Diese nutzen wir und statten den Termas de Ayui einen Besuch ab. Wir mieten Handtücher. Auf Bademäntel verzichten wir, zumal sie ohnehin keine so großen, wie wir brauchten, da hätten. Schließfächer gibt es keine. Also müssen wir eine Auge haben, wenn wir uns im warmen Wasser aufwärmen.

Es gibt verschiedene Becken, die von 36 bis 42 Grad warm sind. Wir probieren alle bis auf das heißeste – das ist definitiv zu warm.
In einem der Becken kommen wir mit einem argentinischen Ehepaar ins Gespräch. Sehr angenehm und unterhaltsam.
Kurz vor Sonnenuntergang packen wir unsere Sachen zusammen. Ich habe Glück: Meine Dusche wird nach gefühlten Lichtjahren auch mal warm, sodass ich auch duschen kann. Knut erzählt mir später, dass seine Dusche immer nur kaltes Wasser herausgerückt hat.

Auf Nummer Sicher

Zurück zur Zollstelle

Nachdem ich jetzt zwei Tage an dem fehlerhaften Zolldokument herumnage, beschließe ich bei unserem Zollagenten in Uruguay nachzufragen, was er davon hält. Er meint auch, dass wir das Dokument ändern lassen sollen. Da wir keine fünf km von der Grenze unser Quartier bezogen haben, fahren wir heute nochmal an die Grenze.

Ein Missverständnis und ein neuer Anlauf

Ein Mann hält uns auf. Wir denken zunächst, es ist irgend ein Schlepper (aber wofür?), aber er folgt uns weiter zum Zollbüro. Ein etwas genauerer Blick auf die Kleidung macht deutlich, dass es sich um einen Zöllner handelt. Ich erkläre ihm also unsere Situation und unsere Sorge, dass wir vielleicht wegen der Abweichungen Probleme auf unserer Reise durch Argentinien bekommen können. Er nickt, nimmt das Dokument, den internationalen Fahrzeugschein und meinen Pass. Dann tippt er eine ganze Weile. In der Zwischenzeit kommt die Zöllnerin vom Sonntag und ist ganz erstaunt, warum wir schon wieder hier sind, trollt sich dann aber auch recht schnell wieder.

Neue Papiere und eine Überraschung

Nach einer knappen halben Stunde kommt der Zöllner wieder an den Tresen und überreicht mir ein neues Dokument. Jetzt ist nur noch mein Zweitname falsch. Den korrigiere ich und der Zöllner macht seinen Stempel drauf. Ich bin erleichtert und bedanke mich bei dem Zöllner.
Und jetzt passiert’s: Er entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten, die wir wegen des fehlerhaften Dokumentes hatten! Ich kann’s echt nicht glauben. So was habe ich in über 10 Jahren Erfahrung mit bayrischen Zöllnern noch NIE erlebt: Eine Entschuldigung!

Reiseroute Nordargentinien

Die Entfernungen in Argentinien, dem achtgrößten Land der Erde, sind mit denen in Uruguay nicht zu vergleichen. Das bedeutet, dass wir uns mehr Kilometer am Tag zumuten müssen, um in halbwegs vernünftiger Zeit vorwärts zu kommen. Trotzdem wollen wir natürlich auch nicht durch dieses interessante Land hetzen und zeitlichen Puffer haben, um die eine oder andere auftretende Planänderung umsetzen zu können.
Unser Plan sieht jetzt aber erst einmal so aus…

Nach Norden

Von Concordia in der Provinz Entre Ríos geht es nach Norden in die Provinz Corrientes zur Gauchostadt Mercedes mit ihrer etwas außerhalb der Stadt gelegenen Pilgerstätte von Gaucho Gil.

Feuchtgebiet

In der Provinz Corrientes liegt das ca. 18.000 Hektar große Feuchtbiotop Esteros del Iberá. Dort wollen wir im südöstlichen Teil mitten im Feuchtgebiet in Colonia Carlos Pellegrini Quartier beziehen, um den Naturpark mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt hautnah zu erleben.
Allein die Fahrt auf unasphaltierter Piste dorthin und weiter nach Nordosten bis Posadas soll schon ein Abenteuer sein.

Den Jesuiten auf der Spur

Weiter geht es nach Nordosten und ab Posadas werden wir in der Provinz Misiones unterwegs sein. Auf der Karte ist das der Wurmfortsatz zwischen Paraguay und Brasilien.
Der Name der Provinz ist Programm, befinden sich hier mit den ehemaligen Jesuitenreduktionen einige UNESCO-Weltkulturerbestätten. Wir möchten die am besten erhaltene Mission San Ignacio Miní besichtigen.

Tosende Wassermassen

Misiones hat aber noch eine UNESCO-Welterbestätte in petto. Mit der brasilianischen Provinz Paraná teilt es sich die flächenmäßig und nach Wassergewalt größten Wasserfälle der Erde: Die Cataratas del Iguazú. Wir möchten sowohl die argentinische als auch die brasilianische Seite besuchen, um möglichst viele Facetten dieses Wasserfalls der Superlative zu erleben.
Unsere Unterkunft werden wir auf argentinischer Seite in Puerto Iguazú suchen.

Zurück nach Westen

Mit einer Zwischenübernachtung in Posadas werden wir die Provinz Misiones verlassen, um dann entlang des Río Paraná in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Corrientes zu gelangen.

Ab in den Süden

Weiter entlang des Río Paraná geht es nach Süden. Wir werden die Provinzen Chaco und Entre Ríos streifen. Eine Zwischenübernachtung in Reconquista und weiter geht’s in die Provinz Santa Fe mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt.

Nach Westen in die Stadt der Wissenschaft

Von Santa Fe geht es in die Provinz Córdoba. Genau, auch hier heißt die Hauptstadt Córdoba. Die zweitgrößte Stadt Argentiniens sollte mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern über ausreichend Infrastruktur verfügen, zum Beispiel um einen Ölwechsel beim Dicken machen zu lassen bevor es Richtung Bolivien geht.
Auch soll das Umland von Córdoba einen Besuch lohnen.

Nur noch nach Norden und immer näher an die Anden

Und dann werden wir durch die nördlichen Provinzen reisen:
Santiago del Estero,
Tucumán (Tafi del Valle, Quilmes, Quebrada de Cafayate) mit Erstkontakt zu den Anden,
Salta und
Jujuy (Quebrada de Humahuaca, Cerro de los Siete Colores, Salinas Grandes) hinauf bis zur Grenzstadt La Quaica auf 3.442 m, unserem Tor zu Bolivien.
Voraussetzung dafür wird sein, dass wir mit der Höhe klarkommen. Sonst müssen wir uns einen Plan B überlegen.

Im Haus am See

Temperatursturz

In der Nacht kommt das vorhergesagte Gewitter mit Wind, Regen und dem von uns befürchteten Temperatursturz. Am Morgen sind es nur noch 14 statt der herrlichen 28 Grad. Dazu Regen und Wind. Willkommen zurück in Südamerikas Winter!
Da die Wettervorhersage auch für die nächsten Tage keine Besserung verheißt, können wir jetzt in aller Ruhe den Blog in Angriff nehmen.

Neue Route

Außerdem können wir die Route für Nordargentinien planen.
Eigentlich wollten wir ja über Paraguay nach Bolivien reisen, aber während unseres Aufenthaltes in Uruguay wurde uns klar, dass die Variante über Argentinien wahrscheinlich mehr interessante Stationen aufzuwarten hat als über Paraguay. Vielleicht tun wir dem Land unrecht, haben wir Paraguay doch noch nie bereist.

Nun haben wir uns aber eben zugunsten von Argentinien entschieden.
Vielleicht mag auch eine Rolle gespielt haben, dass wir uns so einen Grenzübertritt sparen, gibt es doch keine direkte Verbindung zwischen Uruguay und Paraguay.
Wir hätten also sowieso entweder über Argentinien oder Brasilien (was für mich zum jetzigen Zeitpunkt so gar keine Option darstellt) reisen müssen. Eine erste Lektüre des Argentinienreiseführers bekräftigt uns in unserer Entscheidung. Nun denn, ran an die Feinplanung!

Auf vier Rädern nach Argentinien: Von Salto nach Concordia

Argentinische Flagge

Gesamte Strecke: Ca. 40 km von Salto (Uruguay) bis Concordia (Argentinien)

Aufgeregt

Heute ist es also soweit: Der erste Grenzübertritt mit dem Dicken steht an. Ich bin schon am Morgen ganz aufgeregt. Nach einem weiteren opulenten Frühstück brechen wir auf.

Wo ist die uruguayische Grenze?

Wir müssen über die Brücke des Salto Grande, des Staudamms, der Uruguay mit Argentinien verbindet. Als wir die Brücke erreichen, ist von einer Zollstelle weit und breit nichts zu sehen.
Wir fahren weiter und kommen an eine Grenzanlage, die völlig verlassen ist außer ein paar Leuten, die den Rasen mähen. Das Auto vor uns hält. Wir halten auch. Der Fahrer des Autos und ich marschieren Richtung Menschengruppe. Einer der Leute schlürft seinen Mate und weiß wohl schon, welche Frage jetzt kommt. So antwortet er denn auch gleich, dass hier nichts mehr ist, wir sollen ruhig weiterfahren, dann kommen Aduana und Migración. Wir fahren also weiter.

Grenzformalitäten – Teil 1:
Migración Uruguay und Argentinien
Aduana Uruguay

Plötzlich die argentinische Flagge und ein Schild „Bienvenidos in Argentina“. Na super. Nach einigen Kilometern kommt dann eine Grenzanlage. Alle Fahrzeuge vor uns halten und steigen aus. Wir auch. Wir reihen uns in die Schlange ein.

Als wir dran sind, frage ich nach Zoll und Migración von Uruguay. Die Dame am Schalter in einem Poloshirt mit Logo „Republica Argentina“ meint, die Migración sei hier, der Zoll sei auf der anderen Seite des Schalters (also da, wo sich Menschenmassen tummeln und mit großen Lettern steht: Argentina – Uruguay). Ich zeige ihr unsere Pässe und das Zolldokument für den Dicken. Sie prüft alles und wir bekommen einen Einreisestempel für Argentinien in unseren Pass. Das Zolldokument behält sie und meint, sie gibt es den Kollegen vom Zoll.

Mit einem kleinen Fresszettel, der den Stempel von Argentinien und das KFZ-Kennzeichen vom Dicken trägt, gibt sie uns unsere Pässe zurück. Sie sagt dann noch, der argentinische Zoll befindet sich gegenüber.

Grenzformalitäten – Teil 2:
Aduana Argentinien

Wir überqueren eine Fahrspur. Dort sitzen vier Personen. Ich bringe mein Anliegen in spanisch vor: Wir möchten gerne eine temporäre Einfuhr für unser Fahrzeug beantragen. Alle lachen freundlich, sind begeistert von meinem Spanisch und meinen, hier seien wir genau richtig. Eine Zöllnerin bittet uns, ihr ins Büro zu folgen.

Wir zücken unsere Pässe und den Fahrzeugschein. Sie setzt sich an den Computer und tippt, meint zwischendurch, dass es etwas dauert, weil es der erste Eintrag ist. Nach einer Weile hält sie zwei Ausdrucke in der Hand und bittet um zwei Unterschriften. Ich bin so happy, dass ich einfach unterschreibe. Ein Exemplar ist für mich, das andere bleibt beim Zoll. Wenn wir aus Argentinien ausreisen, sollen wir das Dokument unbedingt wieder abgeben. Mit einem freundlichen Lächeln händigt sie uns alle Papiere aus.

Ich frage sie, ob sie weiß, warum wir keinen Ausreisestempel von Uruguay bekommen haben, sondern nur einen Einreisestempel für Argentinien. Sie antwortet, dadurch, dass es sich um eine kombinierte Zollstelle von Uruguay und Argentinien handelt, würde der Einreisestempel auch belegen, dass wir aus Uruguay ausgereist sind. Ich bin beruhigt.

Fahrzeugkontrolle

Wir fahren zur geforderten Fahrspur. Dort werden wir nochmals gebeten zu halten, weil sie das Fahrzeug inspizieren möchten. Die Kontrolle fällt relativ oberflächlich aus. Schon bald können wir passieren.

Buenos Días Argentina!

An der letzten Stelle stehen nochmals zwei Grenzpolizisten, die den kleinen Fresszettel von uns möchten. Wir geben ihn ab und mit einem „Bienvenidos in Argentina“ haben wir die Grenzformalitäten hinter uns.

Neuorientierung in Concordia

Überglücklich fahren wir weiter nach Concordia. Erst einmal zur Bank, um Geld abzuheben. Hier bekommen wir ohne Probleme mehr als die aus Buenos Aires im Gedächtnis gebliebenen 2000 Pesos. Dann noch zum Einkaufen im riesigen Carrefour. Da gibt’s wirklich alles.

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Mate, Mate, Mate

Wir decken uns ordentlich für unseren Aufenthalt in der Einöde ein. Für unser Ziel müssen wir Google zu Hilfe nehmen, da sich unser Navi verabschiedet hat. Ohne Probleme finden wir unser Domizil am See. Es ist hochsommerlich warm bei 28 Grad und Sonnenschein.

Ankunft im Haus am See

Wir klingeln am Laden und ein junger Mann kommt heraus und weist uns in das Häuschen ein. Als Knut rückwärts den Dicken in die Einfahrt parken möchten, kracht es plötzlich. Aber da war doch gar nichts. Ich bitte, ihn nochmal vor zu fahren und da sehen wir, dass über dem Tor noch ein Draht gespannt ist. Der ist zu niedrig. Da kommen wir mit dem Dachzelt nicht darunter durch. Der junge Mann muss das Krachen wohl auch gehört haben und eilt nochmal zu uns. Er hat die Zange schon in der Hand und löst den Draht. Jetzt können wir reinfahren.

Es ist herrlich warm und wir genießen es, hinter dem Haus draußen zu sitzen. In der Dämmerung werde ich allerdings innerhalb kürzester Zeit an Beinen und Füßen trotz Kleidung und Moskitosocken komplett zerstochen. Nach einer Extraration DEET hört das Drama dann aber auch auf. Ich bin soooo zufrieden!

Böses Erwachen am Abend

Bis Knut sich das Zolldokument nochmal genauer anschaut und plötzlich fragt: „was heißt denn Paises Bajos?“ „Niederlande. Wieso?“ „Weil das in unserem Dokument hinter Nacionalidad steht.“
Mist, dabei hatte ich doch mehrmals gesagt, wir seien Deutsche. Warum habe ich trotz der Aufregung nicht genauer kontrolliert? Das soll mir eine Lehre sein. Und jetzt? Knut sieht das gelassen. Wir lassen das jetzt auf uns zukommen und machen da nichts mehr. Hauptsache Namen, Passnummern, Kennzeichen und Fahrgestellnummer stimmen. Ich habe ein ungutes Gefühl. Wenn das mal gutgeht und wir damit keine Probleme bei der Ausreise bekommen. In ungefähr vier Wochen werden wir Gewissheit haben.

Unser Fazit zu Uruguay

José Ignacio

Wir haben in den letzten Wochen ein Land bereist, das bisher auf unserer Liste der zu bereisenden Länder nicht auftauchte. Bei einer Größe von 176.215 qkm und knapp 3,3 Mio. Einwohnern, von denen sich zwei Drittel in Montevideo und Umgebung konzentrieren, haben wir ein weites Land mit vielen Rindern und Schafen erlebt. Unser Aufenthalt wurde sicherlich durch die Jahreszeit – Winter – getrübt. Nicht nur, was das Wetter betrifft, sondern auch die für Touristen nicht ganz unwichtige Verfügbarkeit von Restaurants. Ein Hotel zu finden, auch kurzfristig, war hingegen kein Problem.

Wir haben tiefenentspannte Menschen getroffen, die sich durch nichts so leicht aus der Ruhe bringen lassen, die (fast) immer eine Thermoskanne und eine Tasse aus Kalebassenkürbis mit Matetee dabei haben, aus der sie genüsslich denselben mittels eines metallenen Trinkhalms (bombilla) schlürfen. Die gerne und gut essen, insbesondere (Rind-)Fleisch in rauen Mengen und am liebsten gegrillt. Menschen, die respektvoll miteinander umgehen, die uns freundlich gesonnen waren und neugierig, was wir mit dem eigenen Fahrzeug in ihrem Land machen (der Dicke mit dem deutschen Nummernschild fällt einfach auf). Immer hilfsbereit, fast immer gut drauf, nur ganz wenige missmutig. Die Sonnenuntergänge und ihr kleines Land am Río de la Plata lieben und wahnsinnig stolz auf dasselbe sind.

Für den Einstieg in unsere Südamerikareise war Uruguay ideal, erschien es uns doch sehr europäisch geprägt. Wir hatten keine Angst, nach Einbruch der Dunkelheit durch die Innenstädte zu spazieren. Das Fahrverhalten auf den Straßen war zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht superriskant. Von den im Reiseführer beschriebenen Sehenswürdigkeiten hatten wir uns zwar etwas mehr versprochen, aber nachdem wir erst einmal akzeptiert hatten, dass das Land keine spektulären Highlights der Superlative wie z.B. die großen Nachbarländer Argentinien oder Brasilien zu bieten hat, sondern nur „Mittelmaß“ (so die Wortwahl eines Uruguayers), erlebten wir ein äußerst angenehmes Reiseland. Montevideo braucht sich nicht hinter Buenos Aires zu verstecken; es hat seinen ganz eigenen liebenswerten Charme und mit dem Palacio Salvo DAS Haus in Montevideo schlechthin.

Meine persönlichen Highlights waren neben Montevideo, Colonia del Sacramento, die Ostküste mit feinen Sandstränden und wunderschönen Leuchttürmen, allen voran der Faro von José Ignacio.

Allerdings: Dauerhaft in Uruguay zu leben, können wir uns jetzt erst einmal nicht vorstellen. Dafür ist das Leben einfach zu teuer (die Lebenshaltungskosten sind höher als in Deutschland bei gleichzeitig sehr viel niedrigerem Einkommen).

In Salto

Salto am Rio Uruguay

Shopping

Heute ist unser letzter Tag in Salto und somit auch in Uruguay. Nach einem Hammerfrühstück, das beste, das wir mit Abstand während unserer Uruguayreise hatten, bummeln wir noch einmal durch die Stadt. In einem großen Schreibwarengeschäft lassen wir Fotokopien von Pässen, Führerscheinen und Fahrzeugdokumenten machen. Die brauchen wir vielleicht für den morgen anstehenden Grenzübertritt. Dann noch ein paar der Kosmetikartikel nachkaufen, die uns so langsam ausgehen. Da meine Schuhe leider unter den Regengüssen in Buenos Aires und Montevideo gelitten haben und sich so langsam auflösen, muss ich nach einem neuen Paar bequemer Turnschuhe suchen. Schon im zweiten Laden werde ich fündig und bin ganz glücklich darüber. Ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen!

Luis Suárez
In der Calle Uruguay: Salto huldigt „ihrem“ Luis Suárez

Plan B

Zurück im Hotel macht mir die Vorstellung, bei 28 Grad und Sonnenschein in heißem Thermalwasser zu planschen, schwer zu schaffen. Wir packen zwar unsere Sachen, aber wir können uns dann doch nicht überwinden, loszufahren.

So spazieren wir am Nachmittag die Uruguay bis zum Ufer des Río Uruguay hinunter auf der Suche nach einem netten Café. Fehlanzeige. An einem Stand kaufen wir ein Blätterteigteilchen gefüllt mit Dulce de Leche. Nachdem wir probiert haben, kaufen wir noch ein zweites Stück und verdrücken es auf einer nahegelegenen Bank.

Salto Uferpromenade
An Saltos Uferpromenade

Wir gehen noch ein Stück weiter in nördliche Richtung, gehen auf die ehemalige Eisenbahnbrücke und genießen die Aussicht über den Fluss. Noch ein Stück weiter finden wir eine Kneipe. Davor sitzen die Altherren des Fussballclubs und trinken genüsslich ihr Bier. Die Jungen stoßen einige Zeit später dazu. Wir setzen uns an einen der freien Tische und trinken ebenfalls den einen oder anderen Schluck. Zurück geht’s über Saltos Höhen (bergauf und bergab).

Salto Street Art
Auch in Salto gibt es kreative Leute

Der letzte Abend in Uruguay

Am Abend wollen wir eigentlich im besten Restaurant der Stadt zum Abschluss Fisch aus dem Río Uruguay essen, aber natürlich macht das Restaurant erst um 20:00 h, und damit viel zu spät für uns, auf. Wir gehen wieder zurück und finden eine Trattoria, die schon offen hat. Bei Nudeln und Livemusik (Trompete!) beobachten wir die umherfahrenden Autos. Viele fahren mehrmals an uns vorbei. Also geht’s am Samstag Abend in Uruguay auch ums Sehen und Gesehen werden.